Watt 1. Tag

ja, wir waren im Watt.

Es war ein wenig schwierig mit den Tidenzeiten 😀

1. Tag

Juhuu, wir sind gestern nach 6-stündiger Fahrt angekommen. Weide ist okay, meine Gefährtin auch. Sie ist sehr groß, und ein wenig moppelig. Während der Fahrt war sie sehr nervös und hat aufgrund dessen gerne an meinem Hals geknabbert. Was sollte ich machen, wehren konnte ich mich nicht – so liess ich es geduldig geschehen.Ich bin eben ein Wallach, sie eine Stute, Stuten sind so, das muss man als Wallach manchmal einfach so hinnehmen.

Heute ging es dann das erste mal ins Watt. 11:35 Uhr ist Niedrigwasser, haben die Mädels gesagt.

Kommen am Strand an, sagt der Strandwächter:“ Mädels ihr seid 1 Stunde zu früh.“

Na super, 45 Minuten grasen, dann doch ins Watt, Wasser im Priel noch zu hoch, selbst die Wattwagen fahren nicht durch, nochmal 1,5 Stunden sinnloses Hin- und Her-reiten. Die Mädels können sich nicht einig werden, wohin es gehen soll. Ins Watt, raus aus dem Watt, nach Hause, nach Cuxhaven oder weiter reiten. Meine Reiterin ist genervt. Ich bin verwirrt 😕. Endlich gehts weiter, durch den Priel, iih war das nass und tief, rauf auf die Insel und 1 Stunde Pause, bevor es zurückgeht.

Anfangs war mir das Watt nichts. Auch spiegelte sich die Wasseroberfläche und man kann den Untergrund nicht so Recht erkennen. Aber ist man erstmal drin ist es schön. Der Boden ist optimal. Er ist eben, flach und das Wasser kühlt die Beine. Sehr angenehm.

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2. Tag im Watt

Gestern waren wir Ausreiten in der Heide. Rein in den Wald und in die Heide sahen wir auch eine große Konikherde und Auerochsen. Leider nur von Weitem. Sie wollten uns nicht begrüßen. Interessierten sich nicht die Bohne für uns.

Nun sollte es die richtige Zeit sein, an der wir vom Strand Richtung Insel Neuwerk loskommen. 1 Stunde vor Niedrigwasser soll man vom Strand los. So war es auch gestern geplant, aber die Mädels hatten in den falschen Tide Kalender geschaut – falscher Monat und falsches Jahr! Ich schweige und sage mal nicht was ich denke.

Das Wetter ist nicht ganz so schön wie gestern. Es ist etwas bedeckter. Den Mädels schadet das nicht. Gestern waren sie so euphorisch und gut gelaunt, dass sie mit Bikini Oberteil geritten sind. Heute haben sie Sonnenbrand und die T-Shirts bleiben an.

Auch dazu schweige ich und sage mal nichts, ausser: Stuten, so sind sie eben, manchmal einfach kopflos.

Kaum sind wir an der Insel angekommen, kommen uns die Watt Kutschen entgegen. Moin Moin, sagt der kräftige braune Kaltblut Wallach, sei gegrüßt, Alta.. Besser ihr dreht gloich wieda um und bleibt hinta den Wagn. Secht he in breitem Hamburger Dialekt.

Aber wieso denn das?? Die Mädels schauen sich verwirrt an. Ich denke ihr habt in den Tide Kalender geschaut??! Sagt Cathi und blickt fragend zu Janine und Claudia. Ja haben wir es müsste alles stimmen. Ich verstehe das nicht. Sagt Claudia.

Janine sagt, reicht 1 Stunde vor Niedrigwasser wohl doch nicht.

Der nächste Kutscher fährt an uns vorbei und tippt mit dem Zeigefinger auf das Glas seiner Armbanduhr und weist dann mit dem Finger Richtung Watt. Ehrlich, müssen wir jetzt zurück. Aber es ist doch jetzt Niedrigwasser! Ruft Claudia. Ja, aber haltet euch an die Wagen, ruft der Kutscher ihr zu. Okay, wenn der das sagt, sollten wir wohl dem Rat folgen.

Nein, Mädels das ist nicht wahr?! Oh doch, wir laufen zurück und zwar ziemlich schnell. Ein Tempo verlangen  die Mädels von uns! Wir traben bis wir die Kutschen einholen. 15 km hin und 15 gleich wieder zurück. Ich freu mich auf mein Hafer und Obst.

3. Tag im Watt.

Gleich am nächsten Tag gings wieder los. Och nö, nicht schon wieder. Ich habe Muskelkater! Und schon wieder zu dieser Insel. Ich schaue sehnsüchtig zum Strand zurück, aber meine Reiterin treibt mich vorwärts.

Und jetzt wird sie auch noch sauer und meckert mit mir weil ich schief laufe, weil ich zum Strand zurück blicke und nach vorne laufe.

Ich will nicht. Lass uns zurück gehen. Die anderen wollen auch zurück, versuche ich es…

Aber wir werden zur Insel getrieben.

Dort angekommen, kommen uns schon wieder die Kutschen entgegen. Oh nein. Am Eingang zur Insel wird es eng. Die Traktoren mit ihren Hängern voll Lebensmittel drängen von hinten auf die Insel und die Wattwagen fahren in Scharen hintereinander von der Insel. Ich werde unruhig, steige und möchte eigentlich eine Pause. Aber wahrscheinlich müssen wir erneut im Eiltempo zurück. Ich ahne bereits Schlimmes.  Nein, das kann nicht sein. Sagt Claudia. Wir haben uns extra beim DLRG heute erkundigt. 1 Stunde vor Niedrigwasser vom Strand los und zu Niedrigwasser mit dem Arsch an Land auf der Insel hatten die gesagt. Bestaetigt auch Janine. Wir reiten zum Turm und machen Pause, basta. Sagt Cathi. Ich nicke bekraeftigend.

Ein Kutscher fährt vorbei und tippt wieder mit dem Zeigefinger auf seine Armbanduhr.

Wir reiten auf die Insel und machen dort Pause. Die Kutscher, so erklärt die Bedienung, fahren früh vom Strand los, verweilen 1 Stunde auf der Insel und fahren dann gleich zurück. Ihr Lohn ist gering. Sie werden pro Fahrt mit 35 Euro entlohnt, müssen aber die Pferde schließlich noch zur Weide zurück bringen. Daher beeilen sie sich. Nun sind schon in dieser Saison, wie stets, Reiter mit ihren Pferden in Gefahr gekommen und mussten vor der Flut gerettet werden. Es gab schon Pferde, die aufgrund der Achtlosigkeit ihrer Reiter ertrunken sind! Bisher habe die Kutscher es nicht interessiert, nun aber sind sie mitverantwortlich die Reiter darauf hinzuweisen bei den und mit den Wattwagen zu reiten.

Pferde sind schon ertrunken – ich schaue nun doch ein wenig aengstlich.

Wir haben aber alles richtig gemacht, versichert sie uns. Wir haben nun 1 bis 1,5 Stunden Zeit zu pausieren, denn innerhalb von insgesamt 3 Stunden muss man spätestens zurück am Strand sein.

Okay, das beruhigt mich.

Wir genießen das Gras und unsere Reiterinnen den frischen, selbst gemachten Blaubeerkuchen 🍰.


Zum Ende des Ausritts liefern sich Giney und ich ein Rennen. Sie will im vollem Galopp an mir vorbei gehen. Ha, da legt sie sich mit dem Falschen an. Ich bin im Renntrab und im Rennmodus. Ich lege noch immer eine Schippe oben drauf.

Der Wind weht uns um die Ohren und wir atmen die salzige frische Nordsee Luft ein. Die Sonne scheint und unter unseren Hufen spritzt das Wasser auf und auch der Schlamm. Am Ende sehen wir alle aus wie die Schweine. Aber das macht überhaupt nichts. Es war ein toller Ausflug und Abenteuer gewesen.

Am nächsten Tag reisen wir wieder ab. Die Rückfahrt bei 37 Grad ist anstrengend. Der Fahrtwind bringt ein wenig Kühlung in den Pferdewagen. Wir haben Durst, können aber doch nichts trinken. Wir wollen nur nach Hause. Dann ist auch noch ein Megastar. Aber die anderen Autofahrer sind nett und Angelina lotst uns zu Fuss durch die Autos, bittet darum, dass wir Vorfahren dürfen. Mittlerweile sind es über 40 Grad im Hängern und Quisby schaukelt vor und zurück. Claudia manövriert uns durch die Autos. Hauptsache wir fahren und der Fahrtwind kühlt das Innere des Haengers.

Kurz vor zu Hause erreicht uns das Unwetter, welches entlang der Nordseeküste bis Mecklenburg Vorpommern zog, und nun auch Brandenburg erreicht. Regen und Wind peitscht um unseren Hänger. Aber mit ihm kommt auch die angenehme Kühle. Es sind jetzt 19 Grad!

Als wir zu Hause sind kommen wir gleich auf die Weide. Endlich wälzen, Kopf runter, grasen und trinken.

Was für ein Abenteuer!

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Nach der Reha

in Brück auf weiten Weiden, jeden Tag draussen, gutem Futter und sehr viel Ruhe, bin ich nun wieder zurück im Lande.

 

Ich habe nicht nur gut zugelegt, sondern habe mich auch insgesamt komplett auskuriert.

Ich war einfach mal „nur Pferd“für 5 Monate. Und das ist mir sehr gut bekommen.

Reitunterricht II

Es scheint als mache der Sommer gerade Pause. Es ist kühl. Der Himmel ist grau und mit dunklen Wolken verhangen. Es soll noch regnen. Nach den vergangenen heissen und trockenen Tagen würde Regen eine Wohltat für die Natur sein. Nicht aber für meine Reitschülerin. Ich hätte ja gedacht, endlich, da die Hitze vorbei sei, würde sie sich über die Kühle freuen. Das tat sie auch. Aber dass es nun gleich regnen könne, besorgte sie doch sehr.

– Es regnet doch noch nicht, sage ich.

– Aber gleich, sagt sie.

– Bis es soweit ist, gehen wir auf den Reitplatz, schlage ich vor.

– Ach könnten wir nicht in die Halle gehen. Sie beäugt skeptisch den Reitplatz.

– Die Halle ist gerade sehr voll und wir haben dort dann keine Ruhe. All die ganzen Pferde dort, das macht dann dein Pferdchen ganz wuschig, womöglich.

Sie denkt kurz nach.

– Ja, dann ist es wohl besser hier auf dem Reitplatz. Sie nickt bekräftigend mit dem Kopf.

Wir gehen auf den Reitplatz.

– Huch ist der groß! ruft A. Hier soll ich über dem gaaanzen Platz reiten.

– Lass uns hier vorne bleiben und ein kleines Viereck reiten, schlage ich vor.

– Aber die Kette am Ausgang, die muss zugemacht werden, fordert A.

A. sitzt auf dem Pferd und reitet mehr oder weniger im kleinen Viereck. Das Viereck wird immer grösser und grösser. Sie vergisst abzubiegen, weil sie sich darauf konzentriert gerade zu sitzen, mit den Beinen zu treiben und ihr Becken im Takt der Bewegung zu schwingen.

– Wo bist Du denn? Du bist ja soweit weg. Komm ein wenig näher, ich habe sonst Angst, ruft A vom hinteren Drittel des Reitplatzes.

Soweit klappt alles ganz gut, bis…

Ich gebe ihr die Anweisung einen großen Kreis zu reiten, einen sogenannten Zirkel, im vorderen Drittel des Reitplatzes. Pferdchen hat mittlerweile ein wenig die Lust verloren und schielt zum Ausgang.

– Sie geht nicht rum. A müht sich das Pferd in die andere Richtung zu reiten.

Ich gebe ihr Anweisungen, wie A. das Pferd doch rum kriegt. Ein wenig das Gewicht nach innen verlagern, das äussere Beine rannehmen, damit das Pferd nicht ausweichen kann, dann wieder das innere Bein…

– Pferdchen schielt zum Ausgang, sagt A. Die Kette ist doch zu, oder???!

– Ja, die Kette ist zu.

– Ich habe Angst, dass Pferdchen mit mir einfach zum Ausgang stürmt und durch die Kette geht oder drüber springt, stöhnt A. und schaut ängstlich über ihre Schulter zum Ausgang. Dabei verlagert sie ihr Gewicht nach aussen und versucht weiterhin den Zirkel zu vollenden. Pferdchen läuft 1A im Schulterherein den Zirkel, stelle ich fest und denke bei mir, ich würde so gerne sehen, wie Pferdchen, ein Schweizer Kaltblut, behende über die Kette hinwegsetzt oder in vollem Galopp durch die Kette einfach hindurch stürmt.

Vorstellen könnte ich mir Pferdchen, wie es einen Planer hinter sich herzieht und den Reitplatzboden ebnet oder den Acker hinter dem Reitplatz pflügt.

Nach ein paar weiteren Versuchen und der Erklärungen, wieso Pferdchen nach aussen ausweicht, und der Reiter sein Gewicht nach aussen setzt, wenn er das innere Beine hochzieht zum vermehrten Treiben, statt es lang zu lassen, -blablabla blubb,  klappt dann auch wieder der Zirkel und A. und ich sind eigentlich ganz zufrieden.

Gerade fordere ich A. auf aus dem Zirkel zu wechseln und eine 8 zu reiten, damit das Pferd keinen Drehwurm bekommt, da fallen die ersten Regentropfen.

 

Reitunterricht I

Voller Elan und Motivation, mit meiner Kiste unter dem Arm, in dem sich allerlei „Spielzeug“ befindet, komme ich am Reitplatz an.

A., meine Schülerin und die Besitzerin des Pferdes, M., warten schon auf mich.

-„Hallo.“

-„Hi. Und geht’s gut?“

Meine Frage ist eher rhetorischer Natur. Sie wird trotzdem beantwortet.

-„Och es geht so. Es ist sooo heiss. Ich schwitze schon jetzt. Eigentlich wollte ich schon absagen. Also, mach bloß nicht so was Anstrengendes.“

A. sieht schon jetzt ganz geschafft aus. Dabei weiß ich, die sommerliche Wärme allein ist es nicht,  die ihr den Schweiß auf die Stirn treibt. Es ist pure Angst.

A. ist eine super tierliebe, unheimlich geduldige Frau, die sich, obwohl sie mächtigen Respekt und sogar Angst hat vor Pferden, in den Kopf gesetzt hat, das Reiten zu ihrem Hobby zu machen. Und sie hat ein aussergewöhnliches Gespür für diese sanftmütigen Tiere. Nur aufs Pferd setzen will sie sich – noch – nicht. Vielleicht mal in 2 Jahren , oder so. Spazierengehen würde ja auch reichen, dahinten mal zum Wald rüber, vielleicht- in 2 Jahren oder so, wenn das Pferd es auch will. Wenn es nicht will, naja, es reicht ja auch einfach mal Putzen, und ein wenig Bodenarbeit. Oder, falls das Pferd das nicht will, einfach einmal die Woche zum Kuscheln kommen, wäre ja auch schön, nicht?!

-„Nee, keine Sorge. Wir machen leichte Bodenarbeit.“

Und denke bei mir, dass ich heute eigentlich damit beginnen wollte, dass A. lernt das Pferd neben sich anzutraben. Okay, das kann ich heute abhaken. Also machen wir wieder nur, wie schon die letzten Male, Führen im Schritt in allen Variationen. Na, vielleicht kann ich A. ja heute mal zum Abschluß das Longieren zeigen, da braucht sie sich auch nicht viel bewegen. Aber ein bißchen schon. Etwas mehr Sport täte ihr mal ganz gut!

-„Ich habe mir heute gedacht, wir machen mal ein wenig Gelassenheitstraining. Führe doch das Pferd schon mal rum, so wie wir es besprochen haben. Am längeren Strick, auf eine armeslänge Abstand und du befindest Dich etwas hinter dem Kopf, damit du das Pferd beobachten kannst.“

-„Waaas, ganz alleine soll ich losgehen?!! Und was machst Du?!“

-„Ich baue einen kleinen Parcours auf. Ich bin ja hier.“

A. schaut mich mit großen Augen an. Nimmt dann aber doch das Pferd am Strick und läuft los. Das Pferd, eine Kaltblut-Stute, trottet gemütlich hinter ihr her. Sie kennt auf dem Platz als Gangarten den Schlurf-Schritt und, mit viel Überredungskunst, auch den gemütlichen Trab.

Ich baue den Parcours auf. Ich stelle Kegel in einer Reihe auf, lege bunte Schwimmnudeln aus ( die lassen sich leicht tragen und transportieren, verhindern Verletzungen und eignen sich auch bei Reha-Pferden ) und lege schliesslich noch eine blaue Plastikplane auf den Boden und beschwere diese mit Sand an den Ecken, damit sie nicht wegfliegt.

-„Waaaaaaas, ich soll mit dem Pferd über die bunten Stangen gehen, und auch noch Slalom durch die Kegel gehen. Aber das Pferd hat bestimmt Angst davor. Und was mache ich, wenn sie mir wegläuft, oder gar steigt??!!“

Die Kaltblut-Stute steht mit hängendem Kopf ( sofern Kaltblüter ihren Kopf überhaupt hängen lassen können mit ihrem mächtigem Hals ) neben ihr und schaut gelangweilt auf die bunten Stangen.

A. versucht nun gemäß meinen Anweisungen die Stute durch den Parcours zu führen. Aber ach,  ab und zu möchte die Stute jedoch lieber an den Schwimmnudeln vorbei gehen und schafft es auch.

-„Das Pferd will da nicht rüber gehen…Ich glaube, sie hat Angst vor den Dingern!“

Enttäuscht schaut mich A. an.  Und während sie der Stute Möhrchen reinstopft, erkläre ich ihr, dass es nicht darauf ankommt, was die Stute möchte, sondern darauf was A. möchte. Ich erkläre ihr, wie sie mit sanftem Nachdruck das Pferd über die Stangen führen kann, und wie sie sich dem Pferd durch ihre Körperhaltung verständlich macht und ihm die Richtung vorgeben kann.

-„Das ist hier keine Demokratie“ sage ich. -„Hier auf dem Platz herrscht Diktatur. Du allein sagst wo es lang geht, und nicht das Pferd. Und los! Zeige Entschlossenheit.“

Zweifelnd schaut A. mich an, zieht aber los, und sagt zur Stute: „So meine Süsse, das ist jetzt hier keine demokratische Entscheidung. Wir gehen jetzt schön über die Stangen, und du musst das jetzt auch wirklich , wirklich wollen, ja? Schön brav sein. Danach gibt es auch Möhrchen.“ Und schon mal rein präventiv und als Nachdruck zu der Ansage gibt es eine Möhre aus der Bauchtasche.

Alles klappt nun wunderbar und wie von Zauberhand führt A. das Pferd nun ganz selbstverständlich duch den Parcours. Oh wie war das schön! A. strahlt über das ganze Gesicht. Und woran lag es nun, an der Möhre zuvor, oder daran, dass die Stute keine Angst hat?

-„Aber nein ganz allein an Dir.“ sage ich. „Du wolltest nun, dass sie darüber geht, und schon allein durch deine Ausstrahlung und Körperhaltung ist dir das Pferd gefolgt. Prima gemacht! Wenn du Zweifel hast, dann spürt das Pferd das auch, und ebenso spürt es auch, wenn Du ohne Angst entschlossen bist und es Dir vertrauensvoll folgen kann.“

Ich verkneife mir den Kommentar, dass man daran allgemein echte Führungskräfte erkennen kann, und Menschen echten Führungskräften auch gerne folgen. Aber die meisten Frauen verstehen das nicht, sie möchten lieber alles ausdiskutieren und alle Befindlichkeiten berücksichtigen , oder gar befriedigen.

-„Ach, ja, das war ja eigentlich ganz einfach. Ich glaube aber, Pferdchen wollte das jetzt auch, und hatte sogar Spass daran.“ A. strahlt noch immer. „Ich möchte sie jetzt vom Strick losmachen und schauen, ob sie mir folgt. So wie in der Freiheitsdressur bei Apassionata.“ sagt sie.

Innerlich stöhne ich auf – immer das Gleiche. Ein Pferd ist doch kein Hund! Meine liebe Haushälterin meinte neulich auch zu mir, sie überlegt ein Pferdchen zu kaufen. Ich fragte sie, ob sie reiten lernen möchte. Nein, sagte sie, sie möchte mit dem Pferdchen im Wald spazieren gehen und das Pferdchen dort laufen lassen. Wie laufen lassen, fragte ich. Na so wie mit einem Hund. Aber das Pferd läuft doch weg, sagte ich. Aber wieso das, denn, das macht der Hund doch auch nicht, sagte sie.

Ich gab es auf.

Und überhaupt, wieso glauben die Leute eigentlich immer, dass wenn der erste Schritt getan ist, sie die nächsten 100 Schritte nicht mehr brauchen.  Da wird dann – zack-  ganz scharf abgekürzt. Nein, sie brauchen den ultimativen Beweis: den Liebesbeweis des Pferdes. Sie allein wurde vom Pferd als Partner auserwählt. Das ist bestimmt auch einer der Hauptgründe, warum wir Frauen ausgerechnet auf Pferde so abfahren. Starke, sanftmütige und treue Gefährten sind sie, die gezähmte Wildheit, die nur uns folgt, eben echte Partner! Der Ritter, also naja, eigentlich nur das Roß, noch ohne Ritter. Toll wäre ja wenn man Beides hätte, den schönen Ritter auf dem stolzen Pferd.

Ich versuche mir meine Gedanken nicht anmerken zu lassen.

-„Das kannst du gleich machen. Aber eine Aufgabe gilt es noch zu meistern.“ sage ich und gehe freudig auf die Plane am Boden zu. „Die Aufgabe lautet, das Pferd nun hier rüber zu führen.“ Und hüpfe auf der knisternden Plane rum. So, nun zeig mal wie du das stolze Roß zähmst, du weiblich , blonde holde Märchenprinzessin mit den Apassionata-Träumen.

Die entspannten Gesichtszüge schwinden schlagartig aus A.’s Gesicht.

Ich erkläre ihr wie sie die Aufgabe angeht. Vorsichtig soll sie das Pferd heranführen, um die Plane in Kreisen herumführen, und sie dann über die Plane führen, indem sie selber vorangeht. Die Plane knistert, das Pferd weicht zurück und hebt ein wenig den Kopf. „Sie will steigen, ich schaff das nicht. Ich bin ganz fertig, lass uns aufhören. Das Pferd will das nicht, dann muss man das ja nicht machen und sie stressen. Das aaarme Pferd!“ Und zu der Stute gewandt:“Nicht wahr, du hast Angst.“ Möhrchen werden zur Beruhigung des Pferdes in ihr Maul gestopft.

Ich erkläre A. wie wichtig es ist, das Pferd und seine Reaktionen kennenzulernen, hier im geschützten Raum, damit A. irgendwann auch ihr Ziel, mit dem Pferd in 2 Jahren mal furchtlos spazierengehen zu gehen, oder gar zu reiten, erreicht. Ich sage:

„Schau, wenn Du nicht lernst das Pferd auch in schwierigen Situationen zu kontrollieren, und Massnahmen kennenlernst, wie man dann mit dem Pferd umgeht, dann wirst Du weiterhin das Gefühl haben, keine Kontrolle zu haben. Und das verunsichert Dich und macht Dir Angst vor dem Pferd. Wenn Du aber geübt bist, und weisst was zu tun ist, dann hast du die Kontrolle, und das mindert auch Deine Angst. Daher ist es wichtig, dass Du das hier übst, wo nichts passieren kann. So und nun gehst du mit ihr über die Plane. Und denk dran: Pferde kennen keine Moral, und machen auch nichts aus Liebe zu uns, oder weil sie uns gefallen wollen. Sie folgen uns nur, wenn sie uns vertrauen und weil wir es von ihnen verlangen.“

Und schon wieder klappt es, dieses Mal nach dem zweiten Anlauf. A. strahlt wieder über das ganze Gesicht.

-„Jetzt mach ich den Strick aber ab, und probiere, ob sie hinter mir herläuft.“ sagt sie fordernd. Und schon ist der Strick ab und A. läuft los und lockt die Stute mit bestimmten, aber freundlichen Worten. A. ist entschlossen es mir zu zeigen und bereitwillig folgt die Stute ihr. Ganz ohne Möhrchen. Triumphierend schaut A. mich an. Als hätte sie doch meine Gedanken gelesen.

Ich freue mich auch. A. weiss garnicht, wie viel Talent sie hat. Das hat nicht Jeder, der mit Pferden umgeht.

Aber heute hat sie doch etwas gelernt, wenn gleich ihr das vielleicht garnicht so bewusst ist in dem Augenblick: wenn sie es wirklich will, dann macht das Pferd auch was sie will. Das liegt an der Ausstrahlung und der Körperhaltung. Und das versteht das Pferd und folgt dann gerne. Es ist ja ein Herdentier.

„Ich hätte nie gedacht, dass das Pferd mir über die Plane folgen würde. Ich glaube, Pferdchen liebt mich!“ ruft A.

 

 

 

Horse abuse

Achtung – schockierende, gewalttätige Bilder

Ohne weitere Worte!!! Wenn Menschen Tiere als Sportgeräte sehen, oder als „Ding“ für ihren Profit!! Oder ist das einfach Sadismus???!!!  Das Pferd in Hyperflexion hat eine BLAUE Zunge, und und und…..