Die unbequeme Kolumne, Mein Herzpatient

Und was macht ihr so

fragt mich heute ein Freund per WhatsApp.

Wie macht ihr das eigentlich jetzt mit Corona- Frank geht gar nicht mehr raus ?

Als Herzpatient…

Es wird nicht langweilig mit Corona, schreibe ich, und schreibe weiter:

Frank geht raus doch! wir sind ja eh im homeoffice. aber er macht derzeit kein herzsport fällt ja aus ebenso unser karate das wir mal im garten machen könnten ich wollte mit ihm alle katas üben 🤦🏻‍♀️ mann das muss ich endlich machen am besten gleich heute und er war neulich tatsächlich bei einem langjährigen freund der hat ein segelboot und hat frank gebeten ihm beim slippen zu helfen und den mast setzen und so – finde ich total klasse da ich frank schon mal zum segeln animieren wollte aber dekadent wie er ist wollte er lieber motorboot oder paddeln… motor ist blöd und langweilig! jetzt kommt er doch zum segeln!!! denn der freund will ihn öfter mitnehmen – finde ich gut kann ich in ruhe reiten oder auch mal wieder segeln!müsste allerdings mal nen schein machen aber das könnten frank und ich ja dann gemeinsam machen.sonst geht es ihm gut allerdings war frank anfänglich ein prepper 🤦🏻‍♀️🤪 kam ich von meiner letzten dienstreise und fand in der garage toilettenpapier haushaltsrollen und wasser und im blockhaus drei beutel voll konserven und zwieback im schuhschrank 😂😂😂😂🤦🏻‍♀️🤦🏻‍♀️🤦🏻‍♀️😱 oh mann er hat es zwar nicht übertrieben aber ich dachte mir WAS SOLL DAS!!! während ich auf dienstreise war hab ich auch diese ganzen müll emails erhalten und bin voll zu gespamt worden mit den beinahe stündlichen Corona Nachrichten. Hab ihn gefragt ob er sich jetzt selbst vor Frust und Aufregung den nächsten Herzinfarkt verpassen will 🤪 sonst ist alles okay. ich bin mittlerweile auch von der Spam Liste runter und erhalte nur noch wöchentlich die letzten Nachrichten über die beginnende Apokalypse und Armageddon. Das stimmt mich echt heiter 🙄😬😬 und klopapier gibt es jetzt ja auch wieder!

Mein Herzpatient

Ach Du Scheisse

Ach Du Scheisse, fast hätte ich verschlafen. 6:25 klingelte mein Wecker, raus aus dem Bett, ab ins Bad, rein in die Klamotten, Koffer und Handtasche geschnappt und los zum Flughafen Tegel.

Ich ignoriere die Routenvorschläge von Google Maps. Obwohl mich „Die Trulla“ durch die Stadt führen will, fahre ich Richtung Autobahn und AVUS, um schnell bis 8 Uhr am Flughafen zu sein. Um 8.30 geht der Flieger nach München.

Und – zack – stehe ich im Stau, 20 Minuten Verzögerung – Ach du Scheisse!

Ich schaffte es, 8:10 drängel ich mich an der Security Schlange vor. Entschuldigung, mein Flieger geht gleich, Entschuldigung, darf ich bitte, Entschuldigung, es ist nur so… Ich stehe am Anfang. Vor mir ein Mann.

„Fliegen Sie auch um 8:30 Uhr nach München?“

-„Ja.“

– „Ach gut.“

-„Der Flieger hat aber 1 Stunde Verspätung. Jetzt fliegt er erst um 9:30 Uhr.“

„Ach du Scheisse! Ich komme zu spät zu meinem Training.“

Am Abend nach dem Training gingen Jürgen, Marvin und ich erst lecker essen und nach dem Mahl sassen wir auf der Terasse des Hotels bei einem letzten Drink.

Ich sah auf dem Display meines Handys dass ich eine Nachricht erhalten hatte – bereits eine Stunde zuvor – von meinem Nachbarn.

Ich hörte die Nachricht ab!

ACH DU SCHEISSE!

Mein Nachbar berichtete, dass Frank unregelmäßige Herzfrequenzwerte hat und ein Rettungswagen nebst Notarzt kam, Frank wieder ins Krankenhaus musste und Jette, mein Hund, den Nachbarn gezwickt hatte, als dieser Jette beiseite schieben wollte. Gassi gehen sei unmöglich.

Ich schaute auf, ungläubig schüttelte ich den Kopf.

Das gibt es doch garnicht! Da ist man EINMAL nicht zu Hause…  und dann, mal wieder!

Ach Du Scheisse, entfuhr es mir.

Was’n los? fragte Jürgen.

Ich berichtete und dann lief die Maschinerie an:

Jürgen rief ein Taxi und schickte mich los meinen Koffer zu holen und auszuchecken. Marvin sorgte dafür das mein Handy Strom bekam, denn der Akku war fast leer. Ausserdem schaute er nach dem nächsten Flieger nach TXL.

Ich checkte aus. Das Taxi hate gerade einen Unfall, sagte Jürgen und bestellte ein anderes. Es geht ein Flug um 21.30 Uhr nach Berlin, sagte Marvin. Nehm ich, sagte ich.

Ich telefonierte mit meinem Sohn. Fahr nach Hause zu Jette! Dann telefonierte ich mit dem Nachbarn, Frank geht es soweit gut, berichtete dieser.

Das Taxi ist da, informierte mich Jürgen.  Es war 20.30 Uhr. Ob ich rechtzeitig zum Flughafen komme? Klar, sagte Jürgen.

Marvin rief, es gibt nur noch Business class. 360 Euro.

Buchen! rief ich zurück, schon halb im Taxi.

Okay, Ticket kommt per Email, rief Marvin noch hinterher.

Und schon sauste ich los. Der Taxifahrer gab sich Mühe, mich in 30 Minuten zum Flughafen zu bringen.

Alles hatte geklappt. Ticket kam per Email, ich erreichte rechtzeitig den Flieger. Der flog erst um 22.15 los, weil wir auf der Startbahn lange auf die Starterlaubnis warten mussten.

Um 23.20 Uhr landeten wir in Tegel, um 24 Uhr war ich zu Hause, wo Hund und Sohn schon schlummerten.

Ich bleibe im Krankenhaus, hatte Frank am Telefon gesagt. Ich konnte ihn vor Abflug noch erreichen. Den Ärzten ist das auch lieber und mir auch, sagte Frank, dann würde er unter Beobachtung sein. Aber keine Sorge. Es sei alles in bester Ordnung und ganz im Gegenteil sein Herz hat sich bisher ausgezeichnet erholt und der Umbau ist erstaunlich schnell und positiv fortgeschritten.

Frank hatte sich hochgemessen und war mit jeder weiteren Messung in Panik geraten, was zu weiteren erhöhten Messergebnissen führte. Ein typisches Verhalten von „frischen“ Herzpatienten.

Im Krankenhaus blieb er, weil die Ärzte die zweite OP – wo er denn schon mal da war- um eine Woche vorzogen.

👍🏼

Naja so blieben mir 4 Tage Zeit mich von dem Schrecken zu erholen.

Was für eine Scheisse, und was für ein Tag dachte ich, bevor ich im Bett lag und nicht einschlafen konnte. Denn ich musste daran denken, was für tolle Arbeitskollegen ich hatte und was für ein Wahnsinn das alles war! Wahnsinnige Scheisse!

Mein Herzpatient

Herzmedikamente und Erdbeeren

Es ist Sommer, und natürlich kann man leckere, süße Erdbeeren kaufen  und- schälchenweise -essen.

Das hat mein Herzpatient vorgestern mit Genuss getan.

Da sein Herz sich noch „re-modeln“ muss nach dem schweren Herzinfarkt muss er sich viel ausruhen, und das kann man am besten auf der Couch mit Science Fiction Serien und einer riesigen Schale süsser, saftiger und fruchtiger Erdbeeren! Lecker!

Mein Herzpatient bekommt  starke Medikamente.. ACE Hemmer & 3 Blutverdünner, auch wegen der drei Stents die in die rechte Vorderwandarterie gesetzt wurden. Beta-Blocker und schliesslich die Tablette, die die tierischen Fettsäuren abbauen soll, damit sich die Adern nicht wieder zusetzen.

Bei  einigen Tabletten hat der Apotheker extra eine Warnung hinzugeschrieben: Keine Grapefruits essen!

Am Abend dann bekam er plötzlich Juckreiz, der in Wellen über den ganzen Körper wandert.  Die Haut wird rot und pustelig. Die Pusteln und Rötungen verschwinden kurz danach,  um an einer anderen Körperstelle wieder aufzutreten.

Er hat eine Allergie gegen Erdbeeren! Und dies offensichtlich nur in Verbindung mit der Medikation – denn das ist ihm vorher noch nie passiert.

In der Hoffnung das sei am nächsten Tag vorbei, ging er ins Bett und fand die ganze Nacht keinen richtigen Schlaf.

Am nächsten Tag war es nicht besser, auch nicht am Abend.

Ich meinte, Anti-Histamin Tabletten würden helfen, aber ob er diese zusammen mit seinen anderen Herztabletten nehmen darf, das müsste man erstmal mit dem Hausarzt abklären. Am Besten wir fahren morgen zum Hausarzt.

In der Zwischenzeit könne man ja mit natürlichen Mitteln Anti-Histamin zu sich nehmen. So enthält Holunderbeersaft  Quercetin, aber auch Äpfel, und Wasser oder auch rote Weintrauben. All das hatten wir tatsächlich auch im Haus.

Nach einer Flasche Holunderbeersaft, weiteren drei Äpfeln, einer ganzen Schale roter Weintrauben und ca. 1 Liter Wasser musste sich mein Herzpatient weiterhin am ganzen Körper kratzen. Ein langer roter Schuhanzieher hilft, wenn es am Rücken juckt und unter der Life Vest.

Versuch macht klug!  Geholfen hat es nicht. Wahrscheinlich muss man kistenweise Holunderbeersaft trinken um die nötige Menge Quercetin aufzunehmen.

Eine weitere schlaflose Nacht.

Auch heute hatte er die Hoffnung, es würde sich von alleine beruhigen. Schliesslich müssten die Erdbeeren  und ihre Wirkung ja mal langsam verdaut sein. Aber darin irrte er sich.

Wieder musste der Schuhanzieher als Kratzstange herhalten.

Morgen früh fahren wir aber wirklich zum Arzt.

Mein Herzpatient

Wenn das Herz stolpert

vergangenen Montag waren wir kurz bei Bauhaus, weil wir eine Duschkabine für unser Gästebad benötigen. Eigentlich sollte es ja eine begehbare, barrierefreie Dusche sein, aber das Wasser fliesst nicht so ab, wie es sein sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Besuch beim Bauhaus war für meinen Herzpatienten schon sehr anstrengend. Danach noch ein kleiner Einkauf fürs Abendessen und dann ging es schon wieder nach Hause.

Doch dieser kleine Ausflug war schon zuviel für meinen Herz-Patienten, denn am frühen Abend bekam er Herzrasen und hatte kalten Schweiss. Wir sind ganz schnell in das 20 Minuten entfernte KH in die Notaufnahme gefahren. Mit der Angst, dass dies der nächste kardiogene Schock sein könnte.  2 Stunden EKG später durften wir wieder nach Hause fahren. Es war „nur“ ein Herzstolpern.

Aber, so die Ärztin, wenn sowas passiert, dann dürfen wir den Rettungswagen rufen, denn das ist ein echter, ernsthafter Notfall.

Ich wartete draussen und hätte am liebsten eine Zigarette geraucht… das war wieder ein Schrecken, und mit großer Angst verbunden.

Es macht mich wütend, dass diese Sorge und Angst nun unser ständiger Begleiter sein wird.

 

Mein Herzpatient

Ernährungsempfehlung

für Herzpatienten lautet

MEDITERRANE KOST

Das finde ich nicht schlecht, da diese doch sehr lecker ist.

Fleisch landet möglichst selten auf dem Teller, am Besten nur ein Mal in der Woche. Ansonsten aber viel Gemüse 🍅 🌽 🌶.

Rapsöl und Olivenöl sind neben Nüssen die Fettlieferanten. Gute Fette sind einfache ungesättigte Fette, Schlechte tierische gesättigte Fette.

Zuviele Kohlenhydrate am Abend wandeln sich in Triglyceride und das ist schlecht.

und so weiter und so fort. Also doch vegetarisch aber ohne vegetarische Produkte wie vegetarische Würstchen 🌭 , denn die bestehen vor allem aus Salz und das ist Gift für Herzpatienten.

Es gibt ein Kochbuch von der Herzstiftung mit tollen Tips, Erklärungen und wirklich leckeren Rezepten. Das Essen muss wenigstens noch schmecken.

Das A und O ist es nämlich, gerade für diejenigen mit derFettunverträglichkeit Arteriosklerose zu vermeiden und deren Fortschreiten, wenn mans schon hat. Rückgängig machen kann man die Verstopfungen nicht. Das gilt auch für Raucher – im übrigen. So wie mich – ich habe seitdem sofort aufgehört. 😉

https://www.herzstiftung.de/kochbuch-mediterrane-kueche.html

Das gehört auch auf die Liste der Must-Have für Herzpatienten- check!

Guten Appetit. Iss Dich gesund. 😊