Als ich einmal

Als ich einmal … in Bamberg war

und das war auch neulich erst. 😉

Da gab es Schlenkerla und Schäuferle.

Schlenkerla ist ein Rauchbier, welches schmeckt als hätte ein geräucherter Schinken darin gelegen.

Schäuferle ist eine Schweineschulter, die wird mit Kloß und Sauerkraut serviert.

Wie groß ist denn die? frage ich bei der Bestellung die Wirtin.

Die antwortet mit fränkischem Dialekt: „Das kann ich nicht sagen, das ist ein Naturprodukt. Das ist mal klein, mal groß, kommt auf das Schwein an.“

Aber vielleicht ist da ja auch ein kleineres Schwein dabei gewesen, sage ich.

Das weiss ich nicht, vielleicht ja, vielleicht auch nein.

Nun gut, wir werden sehen, sage ich.

Ja, sagt sie, das ist eben ein Naturprodukt, da weiss man nicht vorher, sie groß die Schulter ist, das muss man dann sehen.

Lecker war’s schon.

Das Wirtshaus der Familie Trum muss schon 500 Jahre alt sein. Die Wirtstube ist klein, urig und sehr gemütlich.

Bambergs Geschichte im Mittelalter ist sehr düster, denn in dieser Stadt wurde die Inquisition sehr ernsthaft betrieben. In keiner anderen Stadt sind so viele Hexen getötet worden. Es werden wohl von 900 Fällen berichtet.

http://www.hexen-franken.de/hinrichtungsorte/katholische-herrschaften/stadt-bamberg/

Als ich einmal

Als ich einmal … neulich in Hamburg war

da wanderten wir von unserer AirBnB Unterkunft, -die im übrigen sehr ungemütlich, aber dennoch sauber und wie ich finde viiieeel zu teuer war- ins Schanzenviertel hinüber. Dort ist mein Papa groß geworden im Krieg. Er war am Ende des Krieges 11 Jahre alt und ist heute 85 Jahre alt.

Dort in dieser Wohnung in der Schäferstrasse Nr. 8, in der 1. Etage (wie man in Hamburg sagt) gab es damals kein Bad und keine Dusche. Die Wohnung war gemütlich. Das Treppenhaus roch immer nach Bohnerwachs und hatte ein wunderschönes Treppenhaus.

Dort war gleich wenn man rein kam links hinter der Eingangstür die Tür zum Klo. Der Raum bestand aus zwei Teilen eigentlich, nämlich zum Einen dem Klo mit der Toilette und zum Anderen aus der Speisekammer. Es hing dort eine Kettenschnur mit einem Griff aus Porzellan um den Spülkasten, der unter der Decke klebte, zu bedienen. Das Wasser schoß dann durch ein Rohr in das Becken hinunter. Es gab indem Klo nur die Kloschüssel, kein Waschbecken oder so. Hinter dem Klo befand sich natürlich eine massive Wand und dahinter war die Speisekammer.

Ging man also aus dem Klo hinaus war die nächste Tür links die Küchentür. Rechts von der Eingangstür stand eine große Truhe. Diese war immer mit einer Decke abgedeckt und dunkelbraun angemalt. Sie hatte 3 große Schubladen in denen sich Werkzeug und Schuhputzzeug befand. Und in die unterste Schublade wurde früher die Kohle hineingeworfen, die mein Papa und sein Bruder immer vom Kohlenboden holen mussten. Aber vor allem war die Truhe hässlich.

Als mein Opa starb bestand er darauf, dass meine Eltern die Truhe erben und mitnehmen sollten. Sie hatten es ihm versprechen müssen und so brachte meine Mama meinen Papa dazu diese wirklich mitzunehmen, obwohl er meinte, er wisse nicht was er mit diesem ollen Ding tun solle. Dann aber dachte er sich, er könne sie ja in seine Werkstatt im Keller stellen. So kam es, dass er sich eines Abends diese Truhe „vornahm“ um die alte Farbe herunterzuholen und sie ein wenig aufzuarbeiten. Er staunte nicht schlecht als darunter eine massive Mahagonitruhe zum Vorschein kam. Heute steht diese Truhe als Schmuckstück im Wohnzimmer meiner Eltern.

Die Küche meiner Großeltern war relativ groß. Es gab dort das Waschbecken, an dem sich meine Großeltern morgens am ganzen Körper wuschen. Ab und zu wurde gebadet, aber in einem Zuber und das Badewasser wurde im Kessel heiss gemacht. Ebenso auch das Abwaschwasser. Zum Abwaschen wurde der Küchentisch ausgezogen und darunter befanden sich 2 Emailleschüsseln, in denen das Geschirr abgewaschen und zum Abtropfen hineingelegt wurde.

Dort an diesem Küchentisch puhlte mein Opa frische Krabben, die er vom Fischmarkt geholt hatte, dort wurde der geräucherte Schinken geschnitten und dort schnitt er auch jeden morgen zum Frühstück die Brotscheibe für meine Oma in mundgerechte Stücke. Dann schob er das Holzbrett mit dem belegten Brot rüber zu meiner Oma.

Ich sehe das noch heute ganz genau vor mir. Der eiserne Kohlenofenherd mit der Messingstange und daneben der Gasherd. Vor dem Küchenfenster hingen Wäscheleinen aussen. Unter hinter dem Sitzplatz meines Opas stand das Küchenbuffet mit dem Geschirr, welches heute bei meinen Eltern im Keller steht.

Die Wohnung hatte 3 Zimmer. Ein Schlafzimmer gegenüber der Küche, daneben die gute Stube, also das Wohnzimmer mit dem Sofa und dem Sessel, sowie daneben dem sogenannten Rauchtisch vor dem Kamin, auf dem das Glas meines Opas 3/4 gefüllt mit extrem süsser Orangenlimonade und dazu ein Schuss Hansen Rum; dem Fernseher in der Ecke gegenüber, dem großen Esstisch vor dem Sofa, und dem Buffet dahinter. Links vom Sofa stand ein Bücherschrank mit Glastüren und darin befanden sich einige Klassiker der deutschen Literatur, Schiller, Goethe, Karl May auch, aber auch Dostojewski, Krieg und Frieden von Tolstoi ( das Lieblingsbuch meines Vaters ), und auch dem Buch „Mein Kampf“.

Huch, dachte ich damals als 15 oder 16-jährige, und las es sofort. Jeder normale Haushalt hatte damals das Buch irgendwie bekommen. Es sollte genauso in jedem Haushalt sein wie der Volksempfänger. Wie meine Großeltern dazu kamen weiß ich nicht. Vielleicht haben sie es gekauft. Gelesen haben sie es bestimmt nicht, denn es sah sehr unbenutzt aus. Die Seiten waren nicht umgeblättert und glattgestrichen worden. Aber ich habe es von vorne bis hinten gelesen. Was genau drin stand kann ich nicht mehr sagen, fasziniert hat es ich nicht, gänzlich erschreckt hat es mich auch nicht, sonst wüsste ich den Inhalt noch.

Am Ende des Flurs gab es ein kleines Zimmer, ca. 14 qm groß. Dort standen zwei Betten und ein Schrank. Früher wohnte dort mein Vater mit seinem Bruder und seinem Opa in diesem Zimmer. Rechts neben der Wohnungstür war das Schlafzimmer mit dem großen Ehebett und einem hohen, braunen massiven Holzschrank mit Ornamenten. Hier hat aber auch meine Tante geschlafen. Dieses Zimmer hatte den angrenzenden Balkon auf dem sich mein Opa immer sehr gerne gesonnt hatte. Am Ende seines Lebens. als er Lungenkrebs hatte und deswegen auch mit dem Rauchen aufhören wollte, hat er noch die Fensterbank weiss gestrichen. Das hatte ihn sehr angestrengt, weil er kaum Luft bekam. Mein Opa wollte nicht sterben, er hatte sehr große Angst davor. Er bekam Morphium, wovon er high war. Er hatte zu meiner Mutter gesagt alles sei schön bunt. Er wollte, dass sie ihm Sonnenblumen mitbrachte wenn sie ihn im Krankenhaus besuchte. Das tat sie natürlich und er freute sich über das strahlende gelb. Er schlief friedlich ein.

Die Wohnungen wurden saniert und es wurden neue Fenster eingesetzt. Die Balkone sind heute mit Stützen gesichert.