Reitunterricht III


Heute ist wieder Reitunterricht mit A.. Und weil es mir soviel Spaß macht, fahre ich direkt von einer Dienstreise kommend in den Stall.

A. hat sich durch den Feierabendverkehr gequält und hat nun ein schlechtes Gewissen, weil ich ausnahmsweise mal vor ihr da bin. Sie wirkt etwas abgehetzt – kein Wunder, denn sie kommt auch direkt von Arbeit – aber ist wie stets gut gelaunt. Ihr macht es auch Spaß.

Heute wollen wir das erste Mal so richtig mit Sattel reiten. A. stapft los in die Sattelkammer und kommt schnaufend mit dem schweren Sattel, dem Sattelgurt und der Trense über dem Arm zum Putzplatz.

Ah, pustet sie. Das Ding muss man dann auch bei 30 Grad erstmal her schleppen?! Ein kleines Fragezeichen schwingt in ihrer Stimme mit.

Jo, sage ich.

MMppf, sagt sie. Gut, dass es heute nicht so warm ist, fügt sie an.

Es gibt ja auch Sattel-Caddys, so’n Wägelchen ist das, sage ich. Da kannst Du den Sattel dann rauflegen und her rollen.

So ein Ding brauche ich unbedingt, sagt sie.

Ja, unbedingt, sage ich.

Sie putzt Pferdchen und schnappt sich die Trense.

Halt, sage ich, erst müssen wir sie satteln.

Wie geht das denn? Zeig mal, sagt sie.

Ich nehme den Sattel, wuchte ihn aufs Pferd und erkläre ihr alles. Zwischendurch keimt bei mir der Gedanke auf, dass sie das geschickt eingefädelt hat: sie musste das Ding nicht auf Pferdchen wuchten.

Ich bin ganz froh, dass Du Pferdchen sattelst, sagt sie.

Dann kommt die Trense. Ungeordnet hängt das Teil nun vor Pferdchens Gesicht. A. versucht das Nasenstück über die Ohren zu drapieren, das Genickstück bammelt vor den Nüstern, und dazwischen irgendwo ist das Gebissstück.

Warte, rufe ich. Wir müssen das erstmal ordnen.

Ist nicht richtig? fragt A. Kam mir auch komisch vor.

Nee, nicht so ganz. Ich nehme die Trense, drehe sie richtig herum und erkläre ihr die Einzelteile und wo sie am Pferd hingehören.

Dann haben wir es geschafft und ab geht es ins Roundpen.

A. sitzt im Sattel und was für ein toller Anblick. Sie sitzt im Sattel, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Letzte Woche noch hatten wir Sitzübungen ohne Sattel gemacht, an der Longe und A. ist sogar getrabt. Sie fühlte sich komplett durchgerüttelt.

I-i-i-ist es s-o-o-o r-i-i-i-icht-i-i-ig?

Ja, sieht gut aus, munterte ich sie auf.

K-o-o-ommt m-i-i-ir g-a-a-arni-i-i-icht s-o-o-o v-o-o-or. Brr-rrr-brr. Die Worte im Takt holpernd. Pferdchen steht.

Puuh, sagt A. Es ist schrecklich, ich kann mich nur auf meine Möpse konzentrieren, ich brauch ’nen anderen BH, stösst sie aus.

Herrlich! Ich lach mich weg!

Im Sattel ist das nun anders, oder hat sie sich einen anderen BH angezogen? Konzentriert und sattelfest trabt sie nun Runde um Runde.

Wir probieren es mit Leicht-traben, auf und nieder, auf und nieder. Anfangs ist es noch ein wenig schwierig, aber A. wird besser und am Ende klappt es richtig gut!

Prima, lobe ich sie. Das hat ja viel besser geklappt als ich dachte. Und für’s erste Mal war das ja mal grossartig.

A strahlt. Ach du, sagt sie, du bist ein Motivations-Talent!

Nee, sage ich, ganz und gar nicht. Das war richtig gut!

Und das war es auch. Ich bin mir ganz sicher, aus A. wird eine ganz fabelhafte Reiterin – mit ganz viel Gefühl und Verstand!

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