Reitunterricht II


Es scheint als mache der Sommer gerade Pause. Es ist kühl. Der Himmel ist grau und mit dunklen Wolken verhangen. Es soll noch regnen. Nach den vergangenen heissen und trockenen Tagen würde Regen eine Wohltat für die Natur sein. Nicht aber für meine Reitschülerin. Ich hätte ja gedacht, endlich, da die Hitze vorbei sei, würde sie sich über die Kühle freuen. Das tat sie auch. Aber dass es nun gleich regnen könne, besorgte sie doch sehr.

– Es regnet doch noch nicht, sage ich.

– Aber gleich, sagt sie.

– Bis es soweit ist, gehen wir auf den Reitplatz, schlage ich vor.

– Ach könnten wir nicht in die Halle gehen. Sie beäugt skeptisch den Reitplatz.

– Die Halle ist gerade sehr voll und wir haben dort dann keine Ruhe. All die ganzen Pferde dort, das macht dann dein Pferdchen ganz wuschig, womöglich.

Sie denkt kurz nach.

– Ja, dann ist es wohl besser hier auf dem Reitplatz. Sie nickt bekräftigend mit dem Kopf.

Wir gehen auf den Reitplatz.

– Huch ist der groß! ruft A. Hier soll ich über dem gaaanzen Platz reiten.

– Lass uns hier vorne bleiben und ein kleines Viereck reiten, schlage ich vor.

– Aber die Kette am Ausgang, die muss zugemacht werden, fordert A.

A. sitzt auf dem Pferd und reitet mehr oder weniger im kleinen Viereck. Das Viereck wird immer grösser und grösser. Sie vergisst abzubiegen, weil sie sich darauf konzentriert gerade zu sitzen, mit den Beinen zu treiben und ihr Becken im Takt der Bewegung zu schwingen.

– Wo bist Du denn? Du bist ja soweit weg. Komm ein wenig näher, ich habe sonst Angst, ruft A vom hinteren Drittel des Reitplatzes.

Soweit klappt alles ganz gut, bis…

Ich gebe ihr die Anweisung einen großen Kreis zu reiten, einen sogenannten Zirkel, im vorderen Drittel des Reitplatzes. Pferdchen hat mittlerweile ein wenig die Lust verloren und schielt zum Ausgang.

– Sie geht nicht rum. A müht sich das Pferd in die andere Richtung zu reiten.

Ich gebe ihr Anweisungen, wie A. das Pferd doch rum kriegt. Ein wenig das Gewicht nach innen verlagern, das äussere Beine rannehmen, damit das Pferd nicht ausweichen kann, dann wieder das innere Bein…

– Pferdchen schielt zum Ausgang, sagt A. Die Kette ist doch zu, oder???!

– Ja, die Kette ist zu.

– Ich habe Angst, dass Pferdchen mit mir einfach zum Ausgang stürmt und durch die Kette geht oder drüber springt, stöhnt A. und schaut ängstlich über ihre Schulter zum Ausgang. Dabei verlagert sie ihr Gewicht nach aussen und versucht weiterhin den Zirkel zu vollenden. Pferdchen läuft 1A im Schulterherein den Zirkel, stelle ich fest und denke bei mir, ich würde so gerne sehen, wie Pferdchen, ein Schweizer Kaltblut, behende über die Kette hinwegsetzt oder in vollem Galopp durch die Kette einfach hindurch stürmt.

Vorstellen könnte ich mir Pferdchen, wie es einen Planer hinter sich herzieht und den Reitplatzboden ebnet oder den Acker hinter dem Reitplatz pflügt.

Nach ein paar weiteren Versuchen und der Erklärungen, wieso Pferdchen nach aussen ausweicht, und der Reiter sein Gewicht nach aussen setzt, wenn er das innere Beine hochzieht zum vermehrten Treiben, statt es lang zu lassen, -blablabla blubb,  klappt dann auch wieder der Zirkel und A. und ich sind eigentlich ganz zufrieden.

Gerade fordere ich A. auf aus dem Zirkel zu wechseln und eine 8 zu reiten, damit das Pferd keinen Drehwurm bekommt, da fallen die ersten Regentropfen.

 

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