ITIL


„Und was ist mit ITIL?“ -„, Noe, ich bin nicht besonders eitel. Kann man nicht sagen, sicherlich, das Äussere ist schon wichtig, auch mir, aber deswegen ist man ja nicht gleich eitel.“ -„Nein, ich meine, ob Sie ITIL zertifiziert sind?“ -„Achsooooo, nein, bin ich nicht.“ 😐

😀
Jetzt mal ernsthaft.
Mein Arbeitgeber hat mir bisher keine ITIL Zertifizierung bezahlt und privat nur so aus lauter Jux und Dollerei leistet man sich das nicht mal eben.
Als Pre-Sales Engineer und Consultant braucht man ja sowas nicht, meinte mein Manager, nur als Enterprise Architect.. aha, wo ist da nun der Unterschied im Beratungsbereich und bezueglich ITIL?

Man braucht es ja auch nicht wirklich – aber Unternehmen stehen auf ITIL Zertifizierte Berater.
Letztendlich ist es nur ein Stueck Papier – mal wieder – welches einen auszeichnet etwas von IT Prozessen und Service Management zu verstehen.
Klar, dazu braucht man ein Zertifikat, nicht Praxis und Erfahrung.
Und wer hat es erfunden ? Na, die Unternehmensberater, gemeinsam mit den Schulungsunternehmen, speziell fuer die CxO und Manager, damit auch sie die IT Prozesse verstehen.
Denn mal ehrlich, jeder IT Admin/SE versteht seine IT Prozesse, den Service und weiss, welche Werkzeuge er einsetzt, und das auch ohne Zertifikat und er kann diese sogar umsetzen in seine Infrastruktur. Nur die Manager brauchen deses Regel- und vor allem Definitionswerk, um diese Prozesse auch zu verstehen.
Ja, gut auch das stimmt nicht so ganz, ich habe mal wieder uebertrieben.
Erfunden wurde es wohl von einer englischen Regierungsbehoerde, was mich jetzt auch nicht sehr verwundert. Die muessen ’ne Menge Zeit haben, um neue Worte, Kategorien, Definitionen auszudenken und niederzuschreiben, die doch schon laengst auf andere Art vorhanden sind. Ich meine damit Administrationshandbuecher und Betriebssystemkonzepte etc..
Aber der Rest stimmt und war nicht gelogen.

Und wer profitiert davon am aller meisten?
Natuerlich mal wieder Unternehmensberater – und auch Schulungscenter. Manager muessen nun ihre Mitarbeiter nach ITIL ausbilden und Unternehmen bezahlen Unternehmensberater, damit diese das Unternehmen beraten und deren Informationstechnologie nach ITIL ausrichten und die Arbeit ihrer Manager taetigen – Manage-the Manager.

Ich bin dafuer, demjenigen, der die Unternehmensberatung erfunden hat die goldenen Himbeere zu geben, dafuer, dass er die Lizenz zum Gelddrucken gefunden, und Managern die Moeglichkeit gegeben hat, ihre Arbeit komplett an „outzusourcen“, und das bei steigenden Managergehaeltern.
Sagt der Manager zum anderen:“ Mensch, wir muessen rentabler werden und unsere Gewinne steigern, ich will naechstes Jahr eine Segeljacht kaufen.“
„Gute Idee, “ sagt der andere, „Ich will mir eine Villa an der Cote d’Azur kaufen.“ „Und wie machen wir das?“ „Keine Ahnung, lass uns beraten.“
„Okay, ich ruf den Unternehmensberater gleich an und mache einen Termin mit ihm. Er nennt uns dann eine Strategie, wie wir das Unternehmen am Besten managen.“

Definition ITIL
Was aber hat das mit ITIL zu tun und was ist denn nun ITIL?
Und da bediene ich mich mal wieder bei Wikipedia ( ach was waere man, ohne diese wundervolle Wissensdatenbank und Internet, in dem man alles schnell und effizient nachschlagen kann ):

Die IT Infrastructure Library (ITIL) ist eine Sammlung von Best Practices bzw. Good Practices [1] in einer Reihe von Publikationen, die eine mögliche Umsetzung eines IT-Service-Managements (ITSM) beschreiben und inzwischen international als De-facto-Standard hierfür gelten. In dem Regel- und Definitionswerk werden die für den Betrieb einer IT-Infrastruktur notwendigen Prozesse, die Aufbauorganisation und die Werkzeuge beschrieben. Die ITIL orientiert sich an dem durch den IT-Betrieb zu erbringenden wirtschaftlichen Mehrwert für den Kunden. Dabei werden die Planung, Erbringung, Unterstützung und Effizienz-Optimierung von IT-Serviceleistungen im Hinblick auf ihren Nutzen als relevante Faktoren zur Erreichung der Geschäftsziele eines Unternehmens betrachtet. Aus deutscher Sicht werden die Inhalte vom itSMF Deutschland e.V. weiterentwickelt und verbessert, der zugleich eine Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch bietet und damit die IT-Industrialisierung vorantreibt.

Aha, es geht also um eine Dokumentensammlung von Best Practices bezueglich Serviceleistungen im IT Betrieb, um den Kunden bestmoeglichst und wirtschaftlich rentabel fuer das Unternehmen zu bedienen.

Ich finde, das klingt jetzt nicht soo kompliziert und schwierig, dass man daraus 5 sehr umfangreiche Buecher macht, 3 Zertifizierungslevel errichtet und Heerscharen von Personen damit beschaeftigt.
Und ich dachte auch, dass man deswegen BWL studiert und Manger wird.

Ich gehe mal auf die Suche nach einem Inhaltsverzeichnisses eines ITIL Buches und bin nun wirklich voellig perplex:
Da gibt es ein Buch, das heisst: Optimiertes IT Management mit ITIL – so steigern Sie die Leistung ihrer IT Organisation.
Das klingt aehnlich wie die Titel der Lebenshilfe-Buecher,oder nicht?
Gelassenheit beginnt im Kopf – so entwickeln Sie einen entspannten Lebensstil
Wo die Seele auftankt: Die besten Möglichkeiten, Ihre Ressourcen zu aktivieren
Wer bin ich – wer will ich sein? Ein Arbeitsbuch zur Selbstanalyse und Zukunftsgestaltung

Zu der ITIL Buchbeschreibung gibt es denn auch kritische Stimmen, warum und wobei das Buch behilflich ist:
„IT Services kategorisieren und Prozesse fuer eine Loesung definieren: Dabei hilft ITIL.“
„ITIL beschreibt, was in den einzelnen IT Prozessen zu tun ist. Das Buch zeigt, wie es in der Unternehmenswirklichkeit umgesetzt wird.“
„Das Buch traegt erheblich dazu bei, dass die Kommunikation zwischen den Erbringern und Nutzern von IT Dienstleistungen qualitativ vrbessert wird.“
„… ein Muss fur jeden IT Manager.“

Faellt dem Leser hier etwas auf???
Mal ehrlich, aber das ist doch entlarvend, laecherlich und peinlich.
ITIL hilft also Verfahren zu etablieren, die eine vernuenftige Service Management Loesung bieten. Und dazu benoetigen IT Manager ein definiertes Regelwerk und Kategorien, und lesen Buecher, die ihnen sagen wie man es macht, und die ein Muss fuer jeden IT Manager sind???

Ja, aber Hallo, warum sind sie dann nochmal Manager? Und wieso kann das jeder IT Admin erklaeren, und warum brauche ich dazu ein Zertifikat und nicht einfach meinen gesunden, IT erfahrenen Menschenverstand?

Und der Verlag des Buches kommt auch zu dem bahnbrechenden Schluss:
Der Schluessel zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen liegt heute mehr denn je im sinnvollen Einsatz von Informationstechnologie. Nicht ob, sondern WIE die Informationstechnik der Motor fuer wirtschaftlichen Erfolg sein wird, ist das Thema dieser Buchreihe. Dabei geht es nicht nur um Strategien fuer den IT Bereich, sondern auch deren Umsetzung – um Architekturen, Projekte, Controlling, Prozesse, Aufwand und Ertrag.“

Booaaah, ich bin echt beeindruckt. Es geht nicht nur um tolle Buzzworte und sinn-entleerte Worthuelsen, es geht ausnahmsweise auch um die praktische Umsetzung, das WIE. Ich recke meinen Zeigefinger in die Hoehe, schnippse wild und rufe:
“ Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiss auch was.“
„Ja, bitte.“
„Das war mir aber auch schon vor ITIL klar, denn das Geschaeft und die tagtaegliche Arbeit der IT Administratoren ist, IT Services bereitzustellen, diese zu verwalten ( neu deutsch: managen ) und qualitativ zuverlaessig und verfuegbar zu machen. Dazu ueberlegt sich der Admin oder im besten Fall sein Manager,wie er das machen kann ( er entwickelt Loesungen und Architekturen ) und ersetzt Werkzeuge ( neu deutsch: Tools ) ein, die es ihm erlauben die Loesung umzusetzen und moeglichst effizient zu verwalten ( Projekte , Prozesse) und er berechnet dabei Aufwaende und Kosten in Ressourcen und barem Geld.“
„Ja, aber macht er das nach ITIL?“
– „Noe, nach praktischer Erfahrung, Vernunft und gesundem Menschenverstand.“
„Ja, nein, das geht nicht, wir brauchen dafuer einen Standard, definierte Kategorien und Prozesse, die wir in ein Regelwerk niederschreiben.“
„Ach, damit auch andere von dem Wissen profitieren koennen. Das ist eine gute Idee.“
„Aber nein, wo denkst du hin. Wir machen das, damit wir den IT Managern sagen koennen, wie sie es machen muessen. Dafuer lassen wir uns von den Managern sehr gut bezahlen. Wir machen ihre Arbeit und sie freuen sich ueber die bunten Praesentationen und das Mittagessen. Und dann sagen wir ihnen, dass ihre Mtarbeiter ein Zertifikat in teuren Schulungen und Pruefungen erwerben muessen,damit sie befaehigt sind, IT Services zu verwalten und verdienen uns auch daran eine goldene Nase.“
„Ja, aber das ist doch Aufgabe des Managers, diese Prozesse zu entwickeln, und in seinem Unternehmen zu etablieren. Wen ihr das alles macht, was macht er denn dann noch?“
“ Na lesen. Schliesslich liefern wir auch zahlreiche Buecher und andere Veroeffentlichungen dazu, und sagen, diese sind ein Muss fuer alle IT Manager. Das bringt uns dann nochmal Geld und wir werden richtig reich.“

4 Gedanken zu “ITIL

  1. Ingo schreibt:

    Ich kannte mal einen IT Manager, der sagte „ITIL, sowas brauch ich nicht! Bei uns macht man das mit XMV!“ Ich hab ziemlich bescheuert geschaut und gefragt, was das denn bedeute – im besten oberbayrisch (tja, ich bin halt in der Nähe von München) hat er dann gesagt „Ist doch klar XMV – gXunder MenschenVerstand“…

  2. Frank schreibt:

    ITIL und andere Zertifikate haben anscheinend einige Gemeinsamkeiten, die sie unweigerlich zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen:

    + sie entlasten Entscheidungsträger von anstrengenden individuellen Bewertungen fremder Ressourcen
    + sie ermöglichen auch weniger fachkundigen Entscheidungsträgern die Mitsprache (sogar Politikern)
    + sie liefern gute Ausreden und sogar juristische Munition bei Fehlentscheidungen
    + sie schaffen Marktzugangsbarrieren gegenüber Mitbewerbern ohne Zertifikat

    An der operativen Basis mag man am Sinn solcher Kategorisierungen zweifeln, aber von der dunklen Seite der Macht her betrachtet sind sie doch so attraktiv wie eine legale Droge, deren Einnahme durch ökonomische Dynamik oder gesetzliche Vorschriften zunehmend obligatorisch wird. So schaffen sich die Propagatoren eine zuverlässige und dauerhaft sprudelnde Einnahmequelle.

    Angesichts des Tagesgeschehens sollte man sich nur mal fragen, ob Unternehmen wie TEPCO ihre wichtigen Prozesse und Anlagen eigentlich zertifiziert haben …

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