Über den Wolken


muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, so zumindest denken viele Hersteller und Kunden.

Mir ist in den letzten Wochen das Thema Cloud Computing sehr geballt begegnet und ich musste feststellen, daß jeder seine eigene Vorstellung von der Cloud hat und manche, auf den Wolken schwebend, den Erdboden – sprich die Physik und Architektur – völlig aus den Augen verlieren. 🙂

Im Wikipedia Artikel zu Cloud Computing steht dann auch:

„Im Zentrum steht dabei die Illusion der unendlichen Ressourcen, die völlig frei ohne jegliche Verzögerung an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden können (siehe auch Skalierbarkeit).“

Dabei ist das Prinzip der Cloud oder des Cloud Computing wahrlich nichts Neues.

Und weil es so schön ist, nochmal ein Zitat aus dem Wikipedia Artikel zur Definition von Cloud Computing:

Es existieren eine Reihe von pragmatischen Definitionsansätzen:
* „Cloud Computing“ steht für einen Pool aus abstrahierter, hochskalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur, die Kundenanwendungen vorhält und falls erforderlich nach Gebrauch abgerechnet werden kann. (Quelle: Forrester Research)
* „Cloud Computing“ umfasst On-Demand-Infrastruktur (Rechner, Speicher, Netze) und On-Demand-Software (Betriebssysteme, Anwendungen, Middleware, Management- und Entwicklungs-Tools), die jeweils dynamisch an die Erfordernisse von Geschäftsprozessen angepasst werden. Dazu gehört auch die Fähigkeit, komplette Prozesse zu betreiben und zu managen. (Quelle: Saugatuck Technology)
* 2009 veröffentlichte das National Institute for Standards and Technology (NIST) eine Definition,die auf weitgehende Akzeptanz stieß und verschiedene Definitionsansätze bündelt. Sie enthält die drei verschiedenen Servicemodelle (IaaS, PaaS und SaaS), vier Liefermodelle (private clouds, public clouds, hybrid clouds und community clouds) und listet fünf essenzielle Charakteristika für Cloud Computing.
Demzufolge geht „Cloud Computing“ über andere gegenwärtig diskutierte Ansätze (Software-as-a-Service (SaaS), „Organic Computing“) und Konzepte (Virtualisierung) hinaus. Unter der Bedingung einer öffentlichen Verfügbarkeit, ähnlich beispielsweise dem öffentlichen Telefonnetz, kann man „Cloud Computing“ je nach Architektur auch als Summe von SaaS und „Utility Computing“ ansehen.

Zu dem ersten Punkt, Cloud Computing sei ein Pool von hochskalierbaren Rechnern die Kundenanwendungen vorhalten: frueher sagte man dazu Cluster oder Mainframe, auf denen Kundenanwendungen hochverfuegbar, eventuell skalierbar installiert waren, und die Infrastruktur wurde von den Systemadministratoren verwaltet und betrieben. Es war selbstverständlich möglich den Gebrauch pro Projekt/Abteilung abzurechnen, und das nannte man Accounting.

Zu Punkt Zwei in der Auflistung. Auch dieses Konzept ist allen hinlaenglich bekannt und es nennt sich Virtualisierung und VMs, und ganz frueher nannte man es Bereitstellung von neuen Serversystemen. Aber ob nun durch Virtualisierung oder durch Kauf weiterer physikalischer Rechner, dieses Konzept kann nur durch Vorratshaltung funktionieren, um On-Demand und sofort dem Kunden weitere Ressourcen zur Verfuegung stellen zu können.
Das heisst, die IT-Infrastruktur muss stets auf zukuenftigen Wachstum ausgelegt sein, und mehr Ressourcen bieten als derzeit gebraucht werden, oder durch Beschaffung neuer Ressourcen erweiterbar sein und angepasst werden koennen.
Die Fähigkeit, komplette Prozesse zu verwalten und zu betreiben, war auch schon vor der Cloud in Rechenzentren ein Muss. Mit der zusaetzlichen Virtualisierungsschicht wird die Infrastruktur allerdings komplexer, die Prozesse auch umfangreicher und die Serverarchitekturen und -ressourcen gut geplant werden, um Ausfallszenarien, Hochverfuegbarkeit und Zuverlaessigkeit gewaehrleisten, nun da verschiedene virtuelle Server auf einem System konsolidiert werden und Ausfallszenarien die Migration diese aruf andere Server vorsehen.

Und zum dritten Punkt: Hier wurden die seit jeher ueblichen, praktischen Anforderungen an die IT- Infrastruktur, nämlich den Kunden/Mitarbeitern schnell und zuverlässig Arbeitsmittel, sprich Anwendungen, zur Verfügung zu stellen, damit diese optimal und möglichst kostengünstig maximal produzieren können, in neue Worte gegossen.

Also was ist neu bei Cloud Computing?

Neu ist die vermeintliche Abstraktion der Dienste von der Physik – zumindest fuer den Anwender, den Mitarbeiter, dem Kunden und den CxOs und Einkäufern dieser Welt. Die IT Administratoren kaempfen nach wie vor mit der Physik und den Ressource-Anforderungen.
Wir reden nur noch von Diensten, die bereitgestellt und angefordert werden, nicht von CPUs, Server, Storage Systemen, Speicher, Installationen und Konfigurationen von Software. In Cloud-Sprache heisst das dann SaaS, Service-as-a-Service oder auch Software-as-a-Service – auch hier sind die Meinungen wolken-vernebelt.

Ich persoenlich bevorzuge Service-as-a-Service, weil es im Cloud Computing und vor allem dem Kunden und IT Dienstleistern naemlich genau darum geht.

Alle Anwendungen, ob Textprogramme, Kalkulationsprogramme, Mail-, Messenger-, Datenbank- oder spezielle Programme, sie alle sind Dienste, die vom Kunde angefordert und von der IT individuell bereitgestellt werden.

Nicht, dass es genau das nicht auch schon vor 10 Jahren gab!

Und schliesslich war das Wichtigste eines IT Adminsitrators schon immer, Service am Kunden/Mitarbeiter zu leisten, indem Anwendungen auf einem Rechensystem bereitgestellt wurden, ob dieses nun dediziert war, zentral oder dezentral, Mainframe- oder Server-Client-basiert.

Wichtig war schon immer, dass der Mitarbeiter arbeiten konnte , ein zuverlaessiges Arbeitsmittel in die Hand bekam und die Produktionsumgebung stets verfuegbar war.

Was sich in den Jahren aenderte sind die Strukturen und Architekturen.

Weg von der Einschraenkung der lokalen Rechenzentren, hin zu den weit vernetzten, verteilten Internet-Strukturen. Auch die Services, sprich Applikationen sind nicht eingesperrt in lokale Rechner, sondern sind nun Webservices, immer zugreifbar und stets von irgendwoher aus dem Netz erreichbar. Virtualisierung udn Konsolidierung der Server ist moeglich, weil die Server leistungsfaehiger geworden sind, dedizierte Server-Client infrastrukturen gehoeren der Vergangenheit an.

Die gesamte Welt hat sich veraendert und ist mobiler und flexibler geworden.

Die Gesellschaft ist mit dem Handy erst nur analog mobil geworden, dann wurde sie noch mobiler und flexibler durch den Informationsaustausch im digitalen Netz, erst mit dem PC, dann mit dem mobilen Laptop und den Handhelds und Palms und nun Smartphones und Tablets und Netbooks. Dementsprechend passen sich nun auch die Unternehmensstrukturen den Anforderungen, aber vor allem den neuen Moeglichkeiten an, die die umfangreiche, allzeit erreichbare Vernetzung bietet und moechte diese fuer ihre Zwecke nutzen.

Findige BWLer, Unternehmensberater und Marketing-ler der Hersteller machen aus dem Alten sogleich einen neuen Trend, ein neues Produkt unter einem neuen Namen.

Alle reden vom Cloud Computing und ich frage mich, wie Larry Ellison auch: What the hell is Cloud Computing? Und auch ich gerate ins Stammeln, wenn mich jemand fragt, was das Neue, Innovative an der Cloud ist. Worin unterscheidet sich Cloud Computing von dem, was wir bisher in der IT machten? Ist meine Buchbestellung nun ploetzlich Cloud Computing, und wenn ich meine Emails lese, bin ich dann nicht einfach drin, sondern in der richtigen Cloud? Und ploetzlich ist – wie Lary Ellison es ausdrueckt – „orange the new pink?“

Die Vorteile, so sagen die Cloud-Gurus, liegen auf der Hand, denn Cloud Computing spart Unternehmen enorme Kosten, verspricht mehr Produktivität und verbessert Prozesse. Ressourcen-Engpässe gibt es nicht mehr, denn diese sind unerschöpflich und immer da und all das geschieht magisch und unsichtbar in der Cloud.
Das ist die Wolke, die in Praesentationen schon seit Jahren immr wieder auftaucht und nie naeher betitelt oder gar beschrieben ist.

Wodurch spart nun der Unternehmer?

Er spart an spezialisierten IT Mitarbeitern, wenn er seine Dienste aus der Public Cloud bezieht. Aber er benoetigt spezialisierte IT-Administratoren, wenn er die komplexen Infrastrukturen in der Private Cloud installiert.
Er bekommt qualifiziert alle moeglichen Dienste angeboten, die er exakt nach Gebrauch abrechnen kann.
Er geht aber Risiken ein, wenn er kritische Appliaktionen und Daten in die Public Cloud verlagert.
Diese Sicherheitsaspekte sind es, die viele Unternehmen davon abhalten, ihre Infrastruktur in die Cloud zu verlagern. Man denke nur an Wikileaks und Wirtschaftsspionage – aber soweit muss man gar nicht denken, alleine der Gedanke, dass wichtige Forschungs- und Entwicklungsergebnisse in der Cloud gespeichert werden, laesst viele erschauern. Was wenn diese verloren gehen, eine Sicherungskopie nicht funktioniert, die Kontrolle ueber diese Daten ausserhalb liegt?
Grosse Unternehmen werden weiterhin ihre Sicherheitsvorkehrungen treffen und Sicherheitsexperten und IT-Spezialisten beschaeftigen.
Server und Ressourcen werden in-house verwaltet und auch beschafft. Service Support wird in Anspruch genomen und gefordert, um die Produktionsumgebung zuverlaessig und verfuegbar zu verwalten.
Dafuer taetigen diese Unternehmen weiterhin ihre Investitionen in ihre eigenen Infrastruktur.

Cloud Computing spart grossen Unternehmen Kosten nur durch Ressourcenkontrolle und standardisierte und automatisierte Prozesse, die IT Personal einsparen helfen.

Die Kostenersparnis, die durch Cloud Computing erzielt wird, ist eigentlich nur ein fadenscheiniges Argument. Wenn es einen Ressourcenbedarf gibt, so muss dieser befriedigt werden und es muss Hardware beschafft werden.
Wenn eine Anwendung benoetigt wird, so muss diese bereitgestellt werden. Und wenn eine Produktionsumgebung verfuegbar und zuverlaessig sein soll, dann muss dafuer die Wartung, der Support und die Verwaltung geleistet und bezahlt werden.
Mit Cloud Computing wird das Thema Accounting wieder aktuell. Die Kosten fuer das Unternehmen werden letztendlich verteilt auf die Kostenstellen der Abteilungen und somit einfach nur anders behandelt und be- und abgerechnet. Abteilungen werden so – freiwillig, im eigenen Interesse, selbstverantwortlich und so zum Vorteil fuer den Etat des Unternehmens – angehalten, nur den Ressourcenbedarf und die Dienste anzufordern, die tatsaechlich benoetigt werden. Wir kennen das alle, wenn es ans eigene Portemonaie geht, ist man doch etwas knauseriger. Und so werden auch die Abteilungsleiter ihren Bedarf und die verbundenen Kosten kontrollieren und gegebenfalls einschraenken.

Fazit:
Grosse Unternehmen mit hochkritischen Daten und Anwendungen ( wie Banken, Militaer, Regierungen, Wirtschaftskonzerne ) werden weiterhin ihre IT-Spezialisten beschaeftigen muessen, da ihre Produktivitaet in Abhaengigkeit zur IT-Infrastruktur steht, die in ihrem Hause steht und verbleiben wird, aus den genannten Sicherheitsaspekten. Daher werden diese Unternehmen ihre Private Clouds einrichten und – wie eh und je – hochskalierbar und hochverfuegbar selbst verwalten. Sie werden weiterhin Systeme beschaffen, Software selbst entwickeln, installieren, konfigurieren, anpassen an die Prozesse und den Service Support leisten.

Der Vorteil der Clouds liegt meiner Meinung nach bei kleineren und mittleren Unternehmen.

Die Vorteile der Cloud sind fuer sie enorm.
* das Unternehmen gewinnt qualifizierte und hochwertige Hardware
* es mietet nur die Hardwareressourcen an, die es wirklich benoetigt
* die Reaktions- und Ausfallzeiten sind fuer diese Unternehmen nicht sehr kritisch, sie richten sich nach dem Unternehmensetat, und weniger nach dem möglichen Umsatzverlust
* die Verwaltung wird vom qualifizierten Personal und Spezialisten fuer sie erledigt, ohne dass sie selbst dafuer jemanden einstellen und beschaeftigen muessen
* Sicherheitsvorkehrungen ( SPAM , AntiVirus, Firewall ) und Backup sind im Service inbegriffen
* das Unternehmen muss keine Hardware beschaffen, die dann auch noch etwas grösser ausgestattet, als der derzeitige Bedarf, um das zukeunftige Wachstum abzudecken
* Dienste bzw. Ressourcen werden nach dem tatsaechlichen Bedarf beansprucht und bezahlt
* die angebotenen Standard-Cloud Dienste und Webservices decken alle Anforderungen ab ( virtuelle Server, Email, Office Produkte, CRM, etc. )
* und die verschiedenen Software Pakete muessen nicht erworben und lizensiert werden
* die Unternehmen sparen insgesamt sehr viele Kosten und erhalten zuverlaessige Dienste

Ich denke, dass diese Unternehmen durch Hosting als einer Art Cloud Computing, genannt PaaS( Platform-as-a-Service ) oder auch IaaS ( Infrastructure-as-a-Service ) stark profitieren koennen.

Appliances helfen Service Providern diese Dienste schnell bereitzustellen, Appliances bieten standardisierte, einfache Vorgehensweisen im Handling, in der Installation und Konfiguration und in der Ueberwachung der Hardware und der dedizierten Anwendung, die sie bedienen.

Abschliessend ein paar Links zum Thema, die ich sehr interessant fand:
Larry Ellison – What the Hell is Cloud Computing?
Cloud Computing: Auf der Suche nach der passenden Wolkenform – Technologie – IT + Telekommunikation – Cloud-Computing – Hintergrund – Handelsblatt.com
Cloud Services – Cloud Computing für Ihr Unternehmen – Microsoft
Joyent Cloud Analytics, Recorded on 1/19/11 joyent on USTREAM. Conference
heise online – Evernote in Servernot [Update]
heise online – HP-Chef will Unternehmen neu ausrichten
heise online – Cloud-Leitfaden für Behörden
Governmental Cloud in the EU – New Agency Report — ENISA

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